Eine kurze Geschichte der Impfungen
Das erste Impfprogramm: Impfung gegen Pocken
Bis ins 19. Jahrhundert wurde Europa immer wieder von verheerenden Seuchen und Epidemien heimgesucht. Eine dieser Seuchen waren die Pocken, die viele Menschen durch Narben entstellten. Pocken konnten als Folge Erblindung, Taubheit und Lähmungen auslösen, etwa 30% der Erkrankten starben. Man erkannte jedoch, dass, wer einmal an Pocken erkrankt war und überlebt hatte, immun gegen eine erneute Erkrankung war. Auch eine durchgemachte Kuhpocken-Erkrankung, eine beim Menschen leicht verlaufenden Rinderkrankheit, machte gegen spätere Pockenerkrankungen immun. Mit diesem Wissen unternahm Edward Jenner 1796 ein Experiment, mit dem er die Ära der Vakzination (Impfung; von lat. vacca = Kuh) einläutete: Jenner entnahm aus einigen Kuhpocken-Pusteln jene klare Flüssigkeit, mit der diese Bläschen gefüllt waren, und infizierte damit einen gesunden Buben. Dieser Junge, James Phipps, war im Anschluss nicht nur gegen die Kuhpocken, sondern auch gegen die gefährlicheren, menschlichen Pocken immun.
Mit der Entwicklung weiterer Impfstoffe ab dem Ende des 19. Jahrhunderts begannen die ersten nationalen Impfprogramme. Durch ein konsequentes Impfprogramm der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und anderer Gesundheitsorganisationen konnte die Welt 1977 von der WHO für pockenfrei erklärt werden.
Die Pockenimpfung hatte zum Teil schwere Nebenwirkungen, die die Menschen damals aber wegen des noch weit größeren Risikos der Erkrankung in Kauf nahmen. ImpfgegnerInnen verwenden auch heute noch die Pockenimpfung, um Impfnebenwirkungen zu schildern – heutige Impfstoffe haben mit den früheren Impfstoffen jedoch nur noch das grundlegende Prinzip gemeinsam und unterliegen strengsten Sicherheitsrichtlinien. Ein solcher Vergleich ist daher in keinem Fall zulässig.
Durch die Entwicklung von Impfstoffen und konsequente Impfprogramme konnten gefährliche Krankheiten wie die Pocken oder Kinderlähmung ganz oder nahezu ausgerottet werden. Die Kindersterblichkeit wurde drastisch reduziert, die Lebenserwartung erhöht. Impfungen gehören mit zu den größten Errungenschaften der Medizin.

